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Gorden Kiose führt den Familienbetrieb mit Bedacht in die Zukunft. Foto: Deppe

WENNINGSTEDT. Das Jahr 1922 war ein unruhiges. Der Erste Weltkrieg lag noch nicht lange zurück, die Inflation im Deutschen Reich galoppierte, fanatische Nationalsozialisten ermordeten den Außenminister Walther Rathenau. Trotz dieser nervösen Zeiten versuchte ein Ehepaar aus Itzehoe einen Neuanfang auf Sylt. Das Wagnis sollte sich lohnen: Das Wenningstedter Hotel Kiose kann heute auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.

Der Itzehoe Dachdeckermeister Georg Kiose und seine Frau Wilhelmine, die Urgroßeltern des jetzigen Eigentümers Gorden Kiose, erwarben 1922 in Wenningstedt in der heutigen Berthin-Bleeg-Straße 15 die „Villa Elli", die sie anfangs nur während der Sommermonate als Logierhaus öffneten.

Der Ehe entsprangen zwei Söhne - Willi, der jüngere, übernahm 1935 mit seiner Frau Anni die ,,Villa Elli", die er 1950 zu einem Café-Restaurant umbauen ließ. Ein Jahr später folgte auf dem rückwärtigen Grundstück der Bau eines Pensionshauses mit 14 Betten nebst Etagendusche.

Der Umbau des Café-Restaurants, durch den sich dessen Fläche verdoppelte, markierte 1955 einen weiteren Meilenstein - wie auch das Jahr 1969, in dem eine Komplettrenovierung der Anwesen erfolgte.

Mit der Übernahme durch Sohn Hans-Georg und Ehefrau Marion trat 1979 die dritte Generation an. Nach grundlegenden Umbauarbeiten avancierte die einstige „Villa Elli" 1987 zum Hotel Kiose, das bis 1991 auch ein öffentlich zugängliches Restaurant beherbergte. 1992 erfolgte der Abriss des rückwärtigen Pensionshauses, an dessen Stelle ein modernes Appartementhaus gebaut wurde.

Seit 1995 leitet der gelernte Koch und Hotelbetriebswirt Gorden Kiose in vierter Generation die Geschicke. In die Folgezeit fiel unter anderem die komplette Neugestaltung des vorderen Café-Bereichs zu einem modernen, offenen Bistro-Café.

Das Hotel offeriert seinen Gästen heute 19 Doppel- und vier Einzelzimmer, weitere Urlaubsdomizile in Form von sieben Ferienwohnungen befinden sich im Landhaus Kiose. Zudem macht Gorden Kiose nicht nur seine Gäste mobil: Seit 2009 betreibt er die e-Bike-Vermietung ,,JoJo“, zu deren Angebot inzwischen auch e-Scooter zählen.

Nicht ohne Stolz und Dank blickt der Hotelier auf das zurück, was die Familie Kiose im Laufe von hundert Jahren geleistet hat. „Ich bin nur der aktuelle Kapitän, der das Ruder in der Hand hält." Auf der Brücke steht ihm dabei Ehefrau Anja und saisonal bis zu zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Seite. Derweil kocht Mutter Marion die leckeren Marmeladen ein, die morgens auf dem Frühstücksbuffet duften.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Geschichte des Hotels fortgeschrieben wird: Während sich Sohn Joel derzeit auf das Abitur vorbereitet, absolviert Sohn Jona eine Ausbildung zum Hotelfachmann.

Jetzt wird erst mal gefeiert: Am Sonnabend sind ab 15 Uhr Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Geschäftspartner und weitere Wegbegleiter herzlich zum Jubiläumsempfang eingeladen. fd