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Zuhause ohne den Liebsten

Das Wohnumfeld nach dem Trauerfall umgestalten: Fragen an einen Trauerbegleiter

Gerade die erste Zeit allein im gemeinsamen Haus ist für Hinterbliebene oft nicht leicht. Foto: Adobe Stock

Die Wohnung, das Haus ist leer und plötzlich irgendwie zu groß. Überall stehen die Erinnerungen: die Lieblingstasse des Verstorbenen, seine Kleidung, all die Bilder. Das kann Trost spenden oder beklemmen. Wann ist die richtige Zeit, das Zuhause zu verändern oder es sich gar ganz neu zu gestalten? Norbert Mucksch, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung, rät, auf einen ganz bestimmten Moment zu warten.Wie viel Zeit sollte man sich geben, etwas im Haus zu verändern, etwa die Sachen des Verstorbenen wegzuräumen?Norbert Mucksch: „Man kann nicht ganz fix und absolut benennen, was der richtige Zeitpunkt ist. Weil das so individuell ist, wie Trauerverläufe individuell sind. Es gibt Menschen, denen tut es gut, das relativ bald zu tun. Und es gibt Menschen, die brauchen relativ viel Zeit. Es ist dann manchmal so wie, wenn ein Knoten platzt. Ich habe das bei der Trauerbegleitung von Eltern, die ihr Kind verloren haben, erlebt. Die berichtet haben, dass sie im vergangenen Jahr genau die Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr, diese ungewöhnliche Zeit, dafür genutzt haben. Die das davor aber auch nicht geplant hatten. Die haben–quasi in einem inneren Ruck – sehr spontan entschieden und etwas geändert – über ein Jahr nach dem Versterben des Kindes.

Woran merkt ein Angehöriger, dass er bereit ist für so eine Veränderung im Haus?

Ich glaube, das sind die Momente, in denen ein Unwohlsein entsteht mit der Situation und zunehmend Fragen auftauchen: Wie geht das weiter? Auch Momente, wo Trauernde wieder in der Lage sind, in die Zukunft zu gucken und zu sagen, ich stehe mehr und mehr wieder auf eigenen Füßen. Ich kann auch wieder perspektivisch nach vorne schauen und nicht wieder zurück.

Welche Erwartungen darf man für das Verarbeiten der Trauer an solche Veränderungen im Haus haben?

Dass sich noch mal Räume eröffnen, die sonst belegt sind durch den Verstorbenen. Das ist, wenn ich irgendwann dazu komme zu sagen, die Zeit der Erinnerung ist vergangen–das mag ja vielleicht für den einen oder anderen das Trauerjahr sein. Wir haben alle Festtage, Geburtstage noch mal gefeiert ohne den verstorbenen Menschen. Und jetzt kann ich den Raum auch anders nutzen. Dann kann ich in so einem Zimmer, das vorher möglicherweise das Arbeitszimmer des Verstorbenen war, ja noch einen Ort in einer Ecke schaffen, wo man sagt, hier hat dieser Mensch gelebt, und hier halten wir die Erinnerung präsent. Simone A. Mayer