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Kirchen-Eiche muss Äste lassen

Der 300 Jahre alte Baum ist nicht mehr stabil genug - jetzt hat er eine neue Aufgabe

Mit Hebebühne und Motorsäge rückte die Baumpflegefirma der Eiche zu Leibe. Fotos: Kai Eckhardt

NORTORF Die große Eiche vor dem Büro der Nortorfer St. Martin Kirchengemeinde in der Niedernstraße, ist kaum wieder zu erkennen. Um die Sicherheit um den Baum weiterhin zu gewährleisten, musste die Baumkrone vor Kurzem stark eingekürzt werden.

„Unser Schätzchen leidet", bringt es Hanns Lothar Kaempfe, Vorsitzender des Kirchengemeinderates, auf den Punkt. Auch wenn die rund 300 Jahre alte Eiche nach außen hin vital und kraftstrotzend wirkte, sah es im Inneren anders aus. War vor einiger Zeit doch bereits ein dicker Ast abgebrochen und auf den Gehweg gefallen. ,,Glücklicherweise ist dabei niemand zu Schaden gekommen", fügt Kaempfe an. An der Stelle, an der einst der Ast war, zeigt sich nun eine große Faulstelle. Anlass genug, um eine Fachfirma zu beauftragen, sich den Baum näher anzusehen.

"Um festzustellen, wie es im Inneren der Eiche aussieht, haben wir dann erst einmal mit einem Resistographen eine Restwandstärkenmessung vorgenommen", erklärt Sönke Martens, Berater der Baumpflegefirma Martens. Das Ergebnis war erschreckend. Zur Straße hin war die Stabilität der Wanddicke gerade einmal zehn Zentimeter breit. „Ein gesunder Baum weist natürlich durch den gesamten Durchmesser Stabilität auf - bis zu einer Restwandstärke von einem Drittel des Umfangs braucht man auch noch nicht einschreiten", erklärt Martens. Doch im Falle der Kirchen-Eiche war Gefahr im Verzug und es musste dringend gehandelt werden, bevor noch weitere Äste herunter fallen.

Um dem Baumstamm und die Äste zu entlasten, wurde die Krone nun um gut acht Meter gekürzt. Dadurch hat der Wind weniger Angriffsfläche und der Stamm wieder eine gewisse Grundstabilität. ,,Als ehemaliger Biologielehrer und Naturfreund tut es mir zwar weh, unsere Eiche so zu sehen, aber sie bleibt wenigsten noch stehen", tröstet sich Kaempfe.

Im Gegenteil, als sogenannter Habitat-Baum soll sie künftig ein neues Zuhause für einige Tier- und Pflanzenarten werden. Dabei reicht das Spektrum von höhlenbewohnenden Vögeln, Fledermäusen, Ameisen oder Käfern bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. ke