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Jan Brügge baut an der Schlei Boote: „Man kann auch direkt ins Handwerk gehen, um seinen Weg zu machen.“

Auch MitarbeiterinKatharina Klockmann hatzunächst studiert. Jetztist sie froh um ihrenWechsel zu Jan Brügge.

Jan Brügge hat es schon von klein auf mit Booten zu tun gehabt. Ursprünglich kommt der 35-Jährige aus Hamburg-Sasel und hat schon in jungen Jahren mit dem Segeln angefangen - erst auf der Alster, später überall", sagt er. ,,Die letzte große Regatta Blue Race führte über 3600 Seemeilen auf dem Nordatlantik vom US- amerikanischen Newport (Rhode Island) nach Cuxhaven."

Es war ihm klar, dass auch beruflich das Wasser eine Rolle spielen würde. ,,Doch das Handwerken liegt mir ähnlich im Blut" sagt er. Mit seinem Onkel hatte er in der Freizeit schon ein Boot gebaut, wurde infiziert vom Handwerk-Bazillus. So war der Weg eigentlich vorgezeichnet. ,,Ich dachte jedoch, ich müsste erst einmal studieren." Er entschied sich zunächst für ein Nautik-Studium.,,Aber ich stellte schnell fest, dass ich lieber mit kleineren Booten arbeiten möchte. Seitdem weiß ich: Man kann auch direkt ins Handwerk gehen, um seinen Weg zu machen", berichtet der Bootsbauer.

Mit 22 Jahren zog er daher nach Kappeln und begann bei der Bootswerft Stapelfeldt seine Ausbildung als Bootsbauer, die er im Januar 2013 als Bundessieger abschloss. Nach dem Erwerb des Meistertitels gründete Jan Brügge 2016 seine eigene Werft, die er nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Der völlig entspannte Gründer ist auf Augenhöhe mit seinem Team: Eine gute und wertschätzende Atmosphäre gehören genauso zu seiner Betriebsphilosophie wie auch Professionalität, Qualität und Zuverlässigkeit. Die Mitarbeiter ticken alle ähnlich. Vier große Hallen stehen sie nahe der Schlei. Über 20 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind in Aktion. In der Werkstatt in Grödersby kümmern sich gleich mehrere der Bootsbauer um einen ganz besonderen Neubau aus Holz der im kommenden Sommer fertig sein soll.

Ehrensache, dass Jan Brügge auch als Chef selbst anpackt. Inzwischen beschäftigt er über 20 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. FOTOS. ARNDT PRENZEL

DER WERKSTOFF HOLZ IST DAS THEMA NR.1 UND KOMMT AUS NAHEN WÄLDERN

Jan Brügge hat eine bestimmte Idee, eine Mission. Er will mit Holz eine Alternative zu dem inzwischen im Bootsbau üblichen Kunststoffbau schaffen. Als Partner für sein Forschungsprojekt wurde die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde gewonnen. Begleitet wird das Projekt vom Verein Maritimes Cluster Norddeutschland.

Jan Brügge nannte die Forschungsidee ,,BioBasedBoats" und gründete gleich ein vierköpfiges Team für Planung, Konstruktion und Werkstatt. „Wir können die Verfahren einfacher gestalten, damit alles nicht mehr so lange dauert", sagt der Bootsbauer. ,,Holz aus nahen Wäldern ist die erste Wahl, geringer Materialverbrauch Pflicht. ,,Es fängt ja schon damit an, dass bei individuellem Bau alleine nur für die Form, über die der spätere Rumpf gelegt wird, viel Material drauf geht", erklärte Brügge.

Sein Motto: So wenig Müll wie möglich zu produzieren, Ressourcen zu schonen und die Arbeit so zu gestalten, dass der Holzbootsbau konkurrenzfähig ist. Mit seinem Team will er so dem Holzbootbau zu neuem Ansehen verhelfen. Ihre Idee ist ein modernes, schnelles, serienfähiges und gleichzeitig nachhaltiges Boot zu bauen. Eingesetzt werden neue effiziente Technologien. Im Sommer soll der Prototyp fertig sein und draußen auf der Schlei getestet werden. Für die Bootsbauer ist das immer der größte Moment. ,,Erst auf dem Wasser sehen wir, wie sich das Boot unter Segel verhält." Einen Namen hat der Prototyp auch: ,,Woy".

ÜBER 50 BEWERBUNGEN FÜR EINE AUSBILDUNG IM SCHIFFSBAU

Das Team hat sich gut zusammengefunden. Fast ein Beweis dafür, dass es nicht immer ein Studium sein muss. Katharina Klockmann hat zunächst Holzwirtschaft studiert. ,,Ich wollte eigentlich gleich eine handwerkliche Ausbildung machen, fand aber keine Lehrstelle." Jetzt ist sie froh ihre Berufung gefunden zu haben.

Jonas Müller wusste schon früh, dass sein Traumberuf Bootsbauer ist. Trotzdem entschied er sich nach der Schule für ein Studium. Dabei merkte er aber schnell, dass ihm das Praktische fehlt, und bewarb sich zum Herbst 2020 bei Jan Brügge um eine Ausbildung zum Bootsbauer. Ihn reizt am Bootsbau, dass der Beruf einem nicht nur technisches Können abverlangt, sondern auch kreativ ist. Außerdem freut es ihn, als Bootsbauer verschiedene Materialien kennenzulernen und sein breites Interesse an allem Handwerklichen so voll ausleben zu können. Da er bis jetzt noch nicht viel Segelerfahrung hat, möchte er das Revier vor seiner Tür nun nutzen, um es zu lernen.

Guilhelm Simons hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und vor seiner Ausbildung zum Bootsbauer als Software-Entwickler in Berlin gearbeitet. Durch seine Freude am Segeln und den Wunsch seinen Bürojob gegen eine handwerkliche Arbeit einzutauschen, kam er auf die Idee eine Ausbildung zum Bootsbauer zu beginnen. Am Bootsbau schätzt er die Vielfältigkeit der Aufgaben und dass neben klassischen Holzarbeiten auch neuere Techniken wie 3D-Druck zum Einsatz kommt.

Jan Brügge ist von seinem Handwerk angetan. ,,Wir arbeiten mit Holz, das ist ein wunderbares Material, aus dem man tolle Dinge bauen kann. Es lässt sich gut bearbeiten, hat eine schöne Haptik." Diese Leidenschaft hat sich herumgesprochen: Über 50 junge Leute wollen auf der Werft eine Ausbildung machen, zwei kann er nehmen.

// Arndt Prenzel